Insektensterben

In den letzten 15 Jahren wurde ein massiver Rückgang an bestäubenden Insekten in Deutschland festgestellt. Einer aktuellen Studie zufolge gehen die Bestände an Wildbienen rasant zurück. „In manchen Gegenden um bis zu 75 % in einem Zeitraum von zehn Jahren“, erklärt der Tierökologe Prof. Dr. Johannes Steidle von der Universität Hohenheim, „Das ist Alarmstufe Rot.“

In Naturschutzgebieten in Nordrhein-Westfalen, die seit den 80iger Jahren überwacht werden, wurde bei allen Fluginsekten sogar ein Rückgang um fast 80 % verzeichnet.

Vor rund 60 Jahren gab es in Deutschland ca. 2,5 Millionen Bienenvölker. 2011 waren es noch 750.000 und 2013 sogar nur noch 620.000 Völker.  Eine mehr als alarmierende Zahl, und das obwohl seit 2008 die Zahl der Imker wieder um fast 4 % gestiegen ist.

Unsere Insekten sterben und wenn sich dieser Trend ungebremst so fortsetzt, gibt es innerhalb der nächsten 10 bis 20 Jahren fast keine mehr. Es gibt erste Studien, die belegen, dass die Großschmetterlinge bei uns in Deutschland nicht mehr zu retten sind. Ihnen folgen alle Wildbienen und Hummeln, die Schwebfliegen, Schlupfwespen und Honigbienen. Zeitgleich alle insektenfressenden Vögel, unsere Sommer werden still.

„Stirbt die Biene, folgt ihr vier Jahre später der Mensch“ soll Albert Einstein einmal den Zusammenhang dargestellt haben.

Edward Wilson, Soziobiologe und weltberühmter Ameisenforscher hat den Zusammenhang in etwa folgendermaßen erklärt: "Wenn die Menschheit untergeht, pendelt die Welt in den reichen Zustand des Gleichgewichts zurück, der vor 10.000 Jahren existierte. Ohne Insekten aber kollabieren die Ökosysteme."

Wir haben die zweifelhafte Ehre, ein gigantischen Artensterben, das größte seit dem Aussterben der Dinosaurier, miterleben zu dürfen, auch bei uns direkt vor der Haustür. Das sechste Sterben der Erdgeschichte hat längst begonnen, ausgelöst durch den Menschen. ("Das 6.te Sterben" von Elizabeth Kolbert, Pulitzerpreis 2015.)